Thomas Westphal, 53, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Dortmund, SPD



- Wie planen Sie, Projekte zur Jugendpartizipation und zu außerschulischen Bildungsangeboten in
Dortmund anzubieten, auszubauen bzw zu unterstützen?

 

Ich habe ein Jugendparlament vorgeschlagen, mit eigenem Budget, also die dürfen entscheiden, wo
das Geld hingeht. Bei den außerschulischen Bildungsangeboten will ich alle Stadtteilbibliotheken
zu technischen Bürgerschulen umbauen, zu ganz neuen Orten des digitalen Lernens. Da werden wir
richtig investieren. Aber auch KITZDO, die digitale Lernfabrik auf der Zeche Westhausen, da
kommt noch einiges hinzu - bis hin zu einer Sommerolympiade für Kinder.

 


- Wie soll offene und mobile Jugendarbeit, so wie Jugendverbandsarbeit in Zukunft
bedarfsgerecht und dynamisch gefordert werden?

 

Ich will in den Quartieren diese Arbeit stärker mit anderen Angeboten vernetzen. Das Konzept
„fliegender Schulhof“ bedeutet, dass es nicht nur aufgewertet wird, sondern viel enger verzahnt mit
anderen Angeboten. Da kommt dann die Dynamik und Agilität rein, die es braucht, um den
Jugendlichen und Kindern richtig zu helfen.


- Wie sehen Sie den Stellenwert des BVB in der Stadt Dortmund und das damit verbundene
gesellschaftliche Zusammenleben?


Der ganze Sport und seine Vereine haben einen sehr hohen Stellenwert in Dortmund. Natürlich
spielt der BVB da noch einmal eine ganz besondere Rolle, weil er die ganze Stadt verbindet. Als wir
als Wirtschaftsförderung mit Marco Reus und anderen während der Coronapause die
Spendenplattform für Gastronomie und lokale Wirtschaft gestartet haben, kamen so über 700.000
Euro Spenden zusammen. Da hat sich wieder einmal gezeigt, wie sehr der BVB Teil dieser Stadt ist
und das Zusammenhalt hier noch was zählt.


- Inwiefern sind Ihnen Problematiken von jungen, aktiven Fußballfans (Ultras) bewusst? Wenn ja,
welche?

 

Ja, auch das man sich schnell kriminalisiert fühlt. Als wir das Wahlprogramm der SPD geschrieben
haben, bin ich auch zum Fanrat gegangen und wir haben uns ausgetauscht. Überrascht war ich, als
man mir erzählt hat, das ich der erste war, der überhaupt jemals so angefragt hat. Das hatte ich so
nicht erwartet. Ich will diesen Dialog auch nach der Wahl fortsetzen.


- Immer wieder kommt es bei Fußballspielen zu Eskalationen zwischen Polizei und Fans. Welche
Möglichkeiten sehen Sie, die angespannte Situation zu entschärfen?


Bei dem Termin habe ich auch angeboten, ein Gespräch mit der Polizei zu vermitteln. Das wird
jetzt auch stattfinden. Denn entschärfen kann man nur, wenn man miteinander redet. Und ich
denke, es gibt auch keinen anderen Weg. Das gehört auch zum Job eines Oberbürgermeisters,
Gesprächsplattformen zu ermöglichen.


- Bezüglich der Freizeitgestaltung in Dortmund: Was macht Dortmund für junge Menschen
attraktiv und was fehlt noch?

 

Ich will das Dortmund Großstadt ist. Großstadt, die sich jede und jeder leisten kann. Jugendliche
brauchen in einer solchen Großstadt outdoor mehr Freiräume, die sie sich selbst erobern und
gestalten können, also Räume für sich. Das haben wir doch alle bei dem temporären Skatepark
Utopia gemerkt. Das muss es jetzt dauerhaft geben. Indoor sind die Angebote ganz okay, aber wir
brauchen mehr. Das Problem ist, dass wenn die Verwaltung diese Bürgerveranstaltungen in den
Quartieren macht, dann kommen da nur Menschen jenseits der 40. Deswegen passiert da zu wenig.
Ich sage nicht, geht da bitte hin. Vielmehr müssen wir als Stadt in den Quartieren
Jugendkonferenzen machen, damit dieser Austausch klappt und viele neue Formate ausprobieren.
Wie gesagt, da muss die Stadt dazulernen.


- Welche Freizeitmöglichkeiten oder Freiräume für unter anderem queere Menschen und andere
marginalisierte Menschen müssen in Dortmund noch gestaltet oder verbessert werden?

 

Wir brauchen da eine Mischung aus den oben beschriebenen Freiräumen für alle und sicher einige
geschützte Räume. Auch da muss die Gestaltung miteinander in diesen neuen Formaten erfolgen.
Diversität kann ich aufschreiben, aber machen geht nur gemeinsam. Prozesse müssen wir dann
auch ohne Vorgaben starten.

- Wie sich an den Vorfällen in den USA aber auch hier in Deutschland erkennen lässt, sind
Rassismus und andere gruppenbezogene Menschenfeindlichkeiten immer noch aktuell. Wie
planen Sie auf kommunaler Ebene dagegen, aber auch gegen die in Dortmund seit langem
bestehende rechtsextreme Szene vorzugehen?


Wir haben gemeinsam mit der Polizei die Strategie gegen diese Szene in Dortmund verändert und
man merkt es mittlerweile an den Zahlen. Wir sind was Straftaten angeht nicht mehr der traurige
Spitzenreiter, sondern längst übrigens Düsseldorf. Warum ist das so? Weil wir verstanden haben,
dass man diese Szene wie organisierte Kriminalität behandeln muss - was sie auch übrigens ist,
denn nur durch viele nicht politische kriminelle Handlungen können die sich finanzieren. Deswegen
muss man die auch beständigen harten Druck aussetzen. Das führt auch dazu, dass von denen
immer mehr und diese dann immer länger ins Gefängnis gehen.
Rassismus ist ein Problem in der Gesellschaft und deshalb auch anders zu behandeln und eine
Aufgabe für jeden von uns. Als Chef der Verwaltung der Stadt muss ich dafür sorgen, dass es nicht
dort vorkommt, zum Beispiel, indem wir diverser einstellen und ausbilden, und anti-rassistisch
agieren.


- Rechtspopulist*innen aber auch die extrem rechte Szene versuchen gerade in Dortmund immer
wieder, bei unzufriedenen Personen anzudocken. Wenn Sie jetzt die Chance hätten, diese
unzufriedenen Personen direkt anzusprechen, was würden Sie ihnen sagen, um sie von Ihrer
Politik zu überzeugen?


Schaut die Euch ganz genau an und deren Vorstrafenregister und wie viele von denen mittlerweile
einsitzen. Wollt Ihr Euer Leben für sowas wegwerfen oder wollt ihr eine Chance Euer Leben besser
zu machen? Denn diese Chance hat jeder verdient und ich will alles dafür tun, dass jeder eine
bekommt.

- Der ÖPNV ist gerade in Dortmund immer wieder Thema. Welche möglichen Optimierungen
würden Sie unterstützen, um die öffentlichen Verkehrsmittel auch für Jugendliche attraktiver zu
machen?


Wir müssen den ÖPNV für alle attraktiver machen, das heißt wir werden richtig viel Geld
investieren, um ihn auszubauen, mit H-Bahn und Stadtbahn und viel mehr Takt. Das gilt gerade
auch nachts. Bei Kindern und Jugendlichen will ich in der Region ein kostenloses Angebot
erreichen. Das wird noch viel Arbeit mit den anderen Städten, aber ist machbar.

- Obwohl die Corona-Pandemie gerade unser Leben bestimmt, bleibt der Klimawandel trotzdem
die vielleicht größte Herausforderung der nahen Zukunft. Wie setzen Sie sich für eine nachhaltige
Kommune ein?


Bisher erfolgte der große Abbau beim Kohlendioxid in Dortmund bei der Wirtschaft. Damit ist auch
klar, dass es jetzt um Verkehr und Bau gehen muss, wenn wir mehr erreichen wollen. Dazu gehört
nicht nur der große Ausbau beim ÖPNV, sondern auch ein geschlossenes Fahrradnetz. Beim Bau
geht es vor allem um Energieeinsatz. Viele Baustellen in der Stadt haben mit dem großen Ausbau
des Nahwärmenetzes zu tun. Die nächste Stufe ist bereits festgelegt, bei Dächern, die nun grün
werden müssen oder Solarzellen bekommen. Aber die andere große Aufgabe wird der Aufbau
klimafester Infrastruktur sein. Man merkt es ja, viele unserer Gebäude sind nicht auf lange
Hitzeperioden eingestellt. Da wird die Klimaanlage nicht die saubere Antwort sein. Mein Vorschlag
ist hier, nach dem Nahwärmenetz, ein Kältenetz aufzubauen.

- In Dortmund gibt es einige Bereiche, die mit Kameras überwacht werden. Wie stehen sie
grundsätzlich dazu? Welche Chancen/Risiken sehen Sie darin?


Kameras verhindern kein einziges Verbrechen. Sie können höchstens bei der Aufklärung helfen und
wenn an einem bestimmten Ort derart viele Verbrechen stattfinden, dass das dabei hilft, dann kann
man darüber reden. Aber genau das darüber reden, das muss auch mit den Menschen vor Ort
stattfinden. Was wir im jeden Fall brauchen, das ist ein „Verfallsdatum“, also nach einer gewissen
Zeit muss offen und immer wieder geprüft werden, ob die Kameras nun weg können. Und eines
muss klar sein: Kameras bringen bei sozialen Problemen gar nichts.


- Welche Pläne haben Sie generell für das Stadtbild Dortmunds?


Dortmund lebt von guter Nachbarschaft. Zusammenhalt schafft Sicherheit und Sicherheit schafft
Zusammenhalt. Wir wollen alle unser Dortmund sicher, sauber und Nazifrei. Deshalb bauen wir die
EDG weiter aus und sagen Angsträumen, dunklen Ecken und vermüllten Plätze den Kampf an. Klar
ist das teurer, aber nur so werden wir was erreichen. Wer glaubt, dass durch harte Worte und
starken Mann die Stadt besser wird, irrt sich.

- Welcher Punkt aus Ihrem Parteiprogramm liegt Ihnen besonders am Herzen?


Bei mir stehen drei Dinge ganz oben auf meiner Liste für die ersten 100 Tage:
Der fliegende Schulhof“, also die Einrichtung der Dortmunder Kinderkommission für eine „ .1
.komplette Reform der offenen Ganztagsschule
2. Startsitzung für das Programm „Dortmund muss bezahlbar bleiben“ für mehr Wohnungsbau
den sich jeder leisten kann.
Weiterentwicklung der EDG zur „Dortmunder Stadt Leben“. Damit Dortmund sauberer und .3
.sicherer wird


- Wie sieht Dortmund nach Ihrer Wahlperiode aus?


Wir sind die Stadt der ehrlichen Arbeit, die immer ihr eigenes Ding macht. Wir werden immer die
Großstadt der Nachbarn und niemals Glitzermetropole sein. Meine Antwort für das Bild der
Zukunft lautet daher: „Dortmund ist die coole Großstadt, in der jede und jeder was zählt, wo man
sich noch kennt und zusammenhält.“



Auszeichnungen:

"Gelbe Hand"

Sonderpreisträger 2015/2016



Veranstalter:



Förderer:

leuchte auf - Die BVB Stiftung


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Partner: