Michael Kauch, 53, u.A.: Kreisvorsitzender der FDP Dortmund

 

- Wie planen Sie, Projekte zur Jugendpartizipation und zu außerschulischen Bildungsangeboten
in Dortmund anzubieten, auszubauen bzw. zu unterstutzen?


Zur besseren Partizipation fordern wir ein Jugendparlament, das dann auch Antragsrecht im
Rat haben soll. Jugendpolitik muss zudem Dialogangebote schaffen und Räumlichkeiten
durch die Stadt für aktive Jugendverbände und Einrichtungen zur Verfügung stellen. Wir
wollen Schulgelände außerhalb der Schulzeit für Angebote öffnen – auch für den Sport im
Freien.

 

- Wie soll offene und mobile Jugendarbeit, so wie Jugendverbandsarbeit in zukunft
bedarfsgerecht und dynamisch gefördert werden?


Bestehende Anlaufstellen für junge Menschen bedürfen auch in Zukunft die Unterstützung
der Stadt Dortmund. Insbesondere der Zugang zu Suchtprävention, Angeboten für Mobbing-
Opfer und zu niedrigschwelliger Sexualberatung. Für weitere Angebote plädieren wir für
einen Dialog in der nächsten Wahlperiode. Es geht hier um eine nachhaltige
Weiterentwicklung der Förderung von Jugendarbeit. Diese bedarf auch finanzieller
Ressourcen.


- Wie sehen Sie den Stellenwert des BVB in der Stadt Dortmund und das damit verbundene
gesellschaftliche Zusammenleben?


Der BVB hat einen identitätsstiftenden Charakter für diese Stadt. Niemand in dieser Stadt
kann sich der Strahlkraft des BVB entziehen. Außerdem ist der BVB der beste Botschafter
Dortmunds in Deutschland und Europa – definitiv erfolgreicher als die die städtische
Wirtschaftsförderung oder das Tourismus-Marketing.


- Inwiefern sind Ihnen Problematiken von jungen, aktiven Fußballfans (Ultras) bewusst? Wenn
ja, welche?


Die Ultras des BVB weisen auf aus ihrer Sicht bestehende Missstände hin. Sei es eine
unverhältnismäßige Gewaltanwendung bei Polizeieinsätzen, Stadionverbote oder die viel
zitierte Kommerzialisierung des Fußballs. Auch das Thema „Pyrotechnik“ in den Stadien ist
uns bekannt.


- Immer wieder kommt es bei Fußballspielen zu Eskalationen zwischen Polizei und Fans.

Welche Möglichkeiten sehen Sie, die angespannte Situation zu entschärfen?


Zunächst einmal geht es hier darum in den Dialog zu kommen und wechselseitigen Respekt
zu stärken. Polizei und Fans dürfen sich nicht als Gegner verstehen. Respektlosigkeiten, wie
Beleidigungen von Polizisten, oder tätliche Angriffe auf die Ordnungshüter leisten einer
Entspannung der Lage einen Bärendienst. Gleichwohl sollte die Polizei ihrerseits stets bei
einzelnen Maßnahmen die Verhältnismäßigkeit im Blick haben.


- Bezüglich der Freizeitgestaltung in Dortmund: Was macht Dortmund für junge Menschen
attraktiv und was fehlt noch?


Das Sportangebot in Dortmund ist gut. Was uns fehlt, sind mehr Möglichkeiten für junge
Menschen am Abend oder in der Nacht sprichwörtlich mal „die Sau rauszulassen“ – und
zwar an Orten, die nicht im Konflikt mit Anwohner/innen stehen. Notwendig ist eine
Stadtentwicklungspolitik, die Flächen für Partys und Clubs ausdrücklich will und mitdenkt.
Weiter: Freies WLAN in der Stadt, Modellversuch Cannabis-Abgabe, kein Alkohol-Verbot,
Ende der Sperrstunde in Clubs. Auch die freie Kulturszene ist wichtig. Kreative Köpfe
schätzen nicht nur die etablierte Hochkultur.


- Welche Freizeitmöglichkeiten oder Freiräume fur unter anderem queere Menschen und
andere marginalisierte Menschen müssen in Dortmund noch gestaltet oder verbessert
werden?

 

Als schwuler Mann verstehe ich queere Menschen nicht als marginalisierte Opfer, sondern
als integralen Bestandteil unserer Gesellschaft. Das Schulaufklärungsprojekt SCHLAU und das
Jugendzentrum Sunrise leisten hervorragende Arbeit für den Abbau von Vorurteilen und die
Unterstützung des Coming-Outs von Jugendlichen. Stärken wollen wir u.a. das Engagement
für Regenbogenfamilien und Transpersonen, aber auch Anstrengungen für
Gleichbehandlung in der Arbeitswelt. Im Spitzen- und Breitensport gehört das Thema
Homophobie auf die Tagesordnung, damit sich queere Menschen hier frei und akzeptiert
fühlen.


- Wie sich an den Vorfällen in den USA aber auch hier in Deutschland erkennen lässt, sind
Rassismus und andere gruppenbezogene Menschenfeindlichkeiten immer noch aktuell. Wie
planen Sie auf kommunaler Ebene dagegen, aber auch gegen die in Dortmund seit langem
bestehende rechtsextreme Szene vorzugehen?


Zunächst einmal muss die Kommunalpolitik klare Botschaften senden und zu Engagement
aufrufen: Rassismus, Homophobie und Antisemitismus haben in unserer Stadt keinen Platz.
Der Rechtsextremismus ist derzeit die größte Bedrohung. Die Verfolgung von Straftaten
sowie verfassungsfeindlicher Aktivitäten und die Prävention - gerade im Bereich Jugendlicher
- müssen Hand in Hand gehen. Ein besonders schlechtes Zeichen wäre es nun vor dem
Hintergrund bestehender finanzieller Einschnitte infolge der Corona-Krise die in Dortmund
hierzu vorhandenen Strukturen zu zerschlagen. Wichtig ist und bleibt es, bei der Stadt eine
zentrale Anlaufstelle für Aussteiger/innen zu forcieren. Neben der aktuell vorrangigen
Aufgabe, den Rechtsextremismus zu bekämpfen, dürfen wir auf keinem Auge blind sein.
Präventionsaktivitäten müssen alle Formen des politischen Extremismus bearbeiten, also
auch linksextrem und religiös motivierten.

 

- Rechtspopulist*innen aber auch die extrem rechte Szene versuchen gerade in Dortmund
immer wieder, bei unzufriedenen Personen anzudocken. Wenn Sie jetzt die Chance hätten,
diese unzufriedenen Personen direkt anzusprechen, was würden Sie ihnen sagen, um sie von
Ihrer Politik zu uberzeugen?


Wir Freie Demokraten wollen Chancen für alle. Es darf nicht darauf ankommen, woher
jemand kommt, sondern wohin der Mensch gehen möchte. Deshalb unterstützen wir bei
Bildung, durch Sozialarbeit und auf dem Arbeitsmarkt. Im Gegenzug muss sich jeder aber
auch anstrengen, im eigenen Leben voranzukommen. Wenige Länder bieten so viel Freiheit
und soziale Sicherheit wie Deutschland. Macht selbst etwas aus Eurem Leben, statt
Sündenböcke wie Flüchtlinge oder Migranten zu suchen!


- Der ÖPNV ist gerade in Dortmund immer wieder Thema. Welche möglichen Optimierungen
würden Sie unterstutzen, um die öffentlichen Verkehrsmittel auch für Jugendliche attraktiver
zu machen?


Wir wollen das Angebot ausbauen: Investitionen in neue Züge und neue Leittechnik, damit
mehr Stadtbahnen fahren können, Ausbau der H-Bahn, bessere Takte am Abend,
Erweiterung des Nachtbus-Angebots, Mobilfunk in der U-Bahn und WLAN in allen
Regionalzügen. Außerdem Ride Sharing als digitale Version des Anrufsammeltaxis gerade in
den Außenbezirken.


- Obwohl die Corona-Pandemie gerade unser Leben bestimmt, bleibt der Klimawandel
trotzdem die vielleicht größte Herausforderung der nahen Zukunft. Wie setzen Sie sich für
eine nachhaltige Kommune ein?


Die Stadt kann vor allem bei Verkehr, Wärmenetzen und Gebäuden handeln. Investitionen in
den ÖPNV, Ausbau von Fahrradwegen, mehr Ladesäulen für E-Autos und Wasserstoff-
Tankstellen sind zentral. Außerdem energetische Sanierungen und nachhaltige
Gebäudetechnik gerade bei öffentlichen Gebäuden. Da Klimawandel global ist, wollen wir
Städtepartnerschaften gerade mit China, Russland und USA dazu nutzen, um für modernen
Klimaschutz voranzubringen.


- In Dortmund gibt es einige Bereiche, die mit Kameras überwacht werden. Wie stehen sie
grundsätzlich dazu? Welche Chancen/Risiken sehen Sie darin?

 

Eine flächendeckende Videoüberwachung lehnen wir ab. Videoüberwachung an
Kriminalitätsschwerpunkten ist nur verhältnismäßig, wenn die Polizei auch sofort eingreifen
kann.


- Welche Pläne haben Sie generell für das Stadtbild Dortmunds?


Wir brauchen mehr Sauberkeit: z.B. kostenloser Sperrmülltag und digital überwachte
Tonnen statt Vermüllung. Bahnhöfe und ihr Umfeld müssen endlich wieder zu Visitenkarten
der Stadt werden. Kreative Ideen beim Wohnen wie Tiny Houses. Und städtebauliche
Maßnahmen, um Angst-Räume zu beseitigen..


- Welcher Punkt aus Ihrem Parteiprogramm liegt Ihnen besonders am Herzen?


Ich möchte Dortmund stark machen für den nächsten Strukturwandel durch Digitalisierung
und künstliche Intelligenz. Damit wir die Jobs der Zukunft gewinnen. Mehr Gründergeist,
Förderung von Technologie und weiter qualifizierte Fachkräfte. Digitalere Schulen und
bürgernahe digitale Verwaltung inklusive einer Bürger-App. Und wir müssen weg von den
Spitzenplätzen bei der Hartz-IV-Arbeitslosigkeit – durch mehr Chancen unabhängig von der
Herkunft.


- Wie sieht Dortmund nach Ihrer Wahlperiode aus?


Digitaler, dynamischer, chancenreicher.



Auszeichnungen:

"Gelbe Hand"

Sonderpreisträger 2015/2016



Veranstalter:



Förderer:

leuchte auf - Die BVB Stiftung


leuchte auf - Die BVB Stiftung


Partner: